Dashcam im Auto, AirTag im Koffer – aber kein Wassersensor im Haus?
- Peer Höfling-Lang

- 12. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Dashcam im Auto, Alarmanlage für das Fahrzeug, GPS-Tracker am Fahrrad, AirTag im Gepäck und Smartwatch zur Gesundheitsüberwachung.
Für all diese Dinge geben wir heute ganz selbstverständlich Geld aus. Wir möchten wissen, wo sich unser Koffer befindet, ob unser Fahrrad gestohlen wurde, ob sich jemand am Auto zu schaffen macht oder ob unser Herzschlag Auffälligkeiten zeigt. Wir überwachen unser Fahrzeug, unser Gepäck, unsere Gesundheit und viele andere Bereiche unseres Alltags mittlerweile digital und nahezu in Echtzeit. Doch ausgerechnet bei unserem größten Vermögenswert herrscht häufig noch Zurückhaltung: der eigenen Immobilie.
Dabei stellt ein Wohnhaus, eine Eigentumswohnung oder ein Mehrfamilienhaus oft den größten Einzelwert im Vermögen eines Eigentümers dar. Dennoch verzichten viele Gebäude auf technische Systeme, die Schäden frühzeitig erkennen oder sogar verhindern könnten.
Ein bemerkenswerter Widerspruch.
Die teuersten Schäden beginnen oft unscheinbar
Ein Rohrbruch kündigt sich selten mit einem lauten Knall an. In vielen Fällen beginnt ein Schaden mit einer kleinen Undichtigkeit, einer schleichenden Leckage, Feuchtigkeit hinter einer Wand, einer ausgefallenen Heizung im Winter oder einem unbemerkten Wasserverlust.
Wochen oder Monate später werden dann durchnässte Wände, aufgequollene Böden oder Schimmelbildung festgestellt. Nicht selten entstehen dabei Schäden von mehreren zehntausend Euro. Hinzu kommen Trocknungsmaßnahmen, Schmutz und Lärm, Koordination von Handwerkern, Nutzungseinschränkungen, Mietausfälle und erheblicher organisatorischer Aufwand.
Die Gebäudeversicherung übernimmt zwar in vielen Fällen den finanziellen Schaden. Den Ärger und den Zeitaufwand kann sie jedoch nicht ersetzen.
Warum wird Prävention bei Immobilien oft unterschätzt?
Aus Sicht der Verhaltensforschung ist dieses Verhalten durchaus nachvollziehbar.
Menschen nehmen sichtbare Risiken stärker wahr als unsichtbare Risiken. Ein Kratzer am Auto ist sofort erkennbar. Ein verlorener Koffer am Flughafen fällt unmittelbar auf. Eine erhöhte Herzfrequenz zeigt die Smartwatch in Echtzeit an. Eine Wasserleitung hingegen verschwindet hinter Wänden, Decken und Böden. Das Risiko ist vorhanden – aber nicht sichtbar. Genau deshalb wird es häufig unterschätzt. Hinzu kommt ein weiterer Gedanke:
„Dafür habe ich doch eine Versicherung.“ Das stimmt grundsätzlich. Doch eine Versicherung ersetzt einen Schaden. Sie verhindert ihn nicht.
Kein Wassersensor im Haus? - Die Zukunft heißt Prävention
Die Gebäudeversicherung befindet sich aktuell in einem grundlegenden Wandel.
Versicherer, Technologieunternehmen und Gebäudeeigentümer beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, wie Schäden bereits vor ihrem Eintritt erkannt und verhindert werden können. Moderne Präventionssysteme können heute bereits:
ungewöhnliche Wasserverbräuche erkennen
Leckagen frühzeitig identifizieren
Frostgefahren melden
Feuchtigkeit überwachen
Rohrbrüche erkennen
Wasseraustritte automatisch melden
die Wasserzufuhr im Ernstfall automatisch absperren
Die Technologie dafür existiert längst. Was im Automobilbereich seit Jahren selbstverständlich ist, hält nun zunehmend auch Einzug in Wohn- und Gewerbeimmobilien.
Vom Schadenmanagement zum Risikomanagement
Noch vor wenigen Jahren lag der Schwerpunkt der Gebäudeversicherung vor allem auf der Regulierung eingetretener Schäden. Heute verschiebt sich der Fokus zunehmend in Richtung Prävention. Die Ziele sind eindeutig:
Schäden vermeiden
Schadenhöhen reduzieren
Gebäudewerte erhalten
Ressourcen schonen
Versicherbarkeit langfristig sichern
Davon profitieren sowohl Eigentümer als auch Versicherer.
Die entscheidende Frage
Wer würde heute freiwillig ein neues Auto kaufen, wenn sämtliche Warnsysteme deaktiviert wären? Wer würde auf die Alarmanlage seines Fahrzeugs verzichten? Wer würde bewusst ohne AirTag verreisen, obwohl darin wichtige Gegenstände transportiert werden?
Oder die Smartwatch ablegen, wenn sie gesundheitliche Risiken frühzeitig erkennen kann?
Wahrscheinlich die wenigsten.
Warum also verzichten viele Eigentümer noch immer auf vergleichbare Frühwarnsysteme für ihre Immobilie? Vielleicht wird sich diese Frage in einigen Jahren genauso selbst-verständlich beantworten lassen wie die Frage nach Sicherheitsgurten, Rauchwarnmeldern oder Fahrassistenzsystemen. Denn die beste Schadenregulierung ist noch immer der Schaden, der gar nicht erst entsteht.
Kein Wassersensor im Haus? Wir beraten Sie gerne. mehr Infos




